Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seelen ihren Atem schöpfen.
Wolfgang von Goethe
Was Ihre aktuelle Frage betrifft, sollte ich als Sprachwissenschaftler und ehemaliger Mitarbeiter des Sprachatlasses eigentlich die Hände verwerfen und abwinken. Aus zwei Hauptgründen: Erstens gibt es keine Kantonsmundarten. In sozusagen allen Kantonen werden unterschiedliche Mundartvarianten gesprochen. Die Emmentaler sprechen nicht gleich wie die Oberaargauer, die Worblentaler, die Aaretaler, die Brienzer, die Hasler usw. Im kleinen Kanton Schaffhausen sprechen die Klettgauer nicht gleich ei die Städter, die Reiater, die Ramser und die von Stein am Rhein. Zweitens gibt es kein einziges Mundartmerkmal, das nur für eine Mundart charakteristisch ist, und eben auch kein Wort. Das braucht Sie als Spielentwickler nicht zu stören, aber ich will das nur deutlich gesagt haben. Trechner/Tröchner/Trüchner für «Handtuch» kommt nicht nur im Wallis vor, sondern auch in denjenigen Bündnergegenden, in denen sich Walser niedergelassen haben, z. B. im Prättigau Trüchner. Nun gibt es Kantone, die mundartliche Übergangsgebiete sind und in denen es besonders schwierig ist, charakteristische Worte zu finden. Das trifft zu für den Kanton Aargau, den Kanton Solothurn und ein grosses Mundartgebiet in der Nordostschweiz, das vom Osten Schaffhausens über den Thurgau bis ins St. Gallische reicht. Ich kann Ihnen beim besten Willen kein reines Thurgauerwort sagen, Sogar der Alebock «Lachmöwe» war zumindest früher auch im schaffhausischen Stein am Rhein bekannt. Natürlich sagten auch die deutschen Seealemannen ennet der Grenze Alebock. Auch die Wiffe «Markierungspfahl für die Schifffahrt» kennt man im Schaffhausischen und im Thurgau. Viele meinen, Chucher «Papiersack» sei ein typisches Thurgauerwort, aber den gab oder gibt es auch in Zürich und im Aargau. Das thurgauische Laamsüüder «antriebsloser Mensch» ist natürlich der hochdeutsche Leimsieder und der Zürcher Liimsüüder. Lesen Sie bitte auch:
Mit freundlichen Grüssen
Christian Schmid
Das Walliserdeutsche ist ein süddeutscher Dialekt und gehört zum alemannischen Sprachstamm. Als höchstalemannischer Dialekt gehört er zum schweizerdeutsch Hochalemannisch. Er hat viele Merkmale mit dem Schweizerdeutschen gemein und wird im Oberwallis (zwischen Furka und Pfynwald, Sierre) gesprochen. Er ist aber kein einheitlicher Dialekt, denn man kann ihn grob in zwei Gruppen einteilen, die sich vor allem durch die e-Lautung (Chees - Chääs) unterscheiden. Für Textbeispiele in den allgemeinen Texten und dem Wörterbuch habe ich mich für die westliche Dialektgruppe entschieden (Chees): Texte und Wortbeispiele erscheinen in einem "verwässerten" Ausserbergerdialekt!
Volmar Schmid